{"id":10905,"date":"2023-08-02T16:53:48","date_gmt":"2023-08-02T14:53:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.weichenstellen.de\/blog\/?p=10905"},"modified":"2023-08-02T16:54:18","modified_gmt":"2023-08-02T14:54:18","slug":"zum-abschiedsgottesdienst-fuer-opa-03-07-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weltwaldwiesen.de\/weichenstellen\/zum-abschiedsgottesdienst-fuer-opa-03-07-2023\/","title":{"rendered":"Zum Abschiedsgottesdienst f\u00fcr Opa 03.07.2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"page\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Vor acht Jahren habe mit meinem Opa fu\u0308r ein Filmprojekt ein langes Gespra\u0308ch gefu\u0308hrt. Es ging, im weitesten Sinne, um sein Leben. Dabei haben wir auch u\u0308ber das Sterben, dass da ja irgend- wann bevorstu\u0308nde, und die Angst davor, bzw. eben das Keine-Angst-davor-haben, gesprochen. Es gab da so ein Zitat, mit dem ich ihn konfrontierte: \u00bb\u203aDer Tod la\u0308chelt uns allen entgegen. Alles, was wir tun ko\u0308nnen, ist zuru\u0308ckla\u0308cheln.\u2039\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbDas ist ein scho\u0308nes Zitat\u00ab, sagte er. \u00bbDas hei\u00dft dann ja eigentlich: Ja, ich nehme das an. Ich gehe eine Beziehung zum Tod ein, so wie man Beziehungen gestaltet, mit einem Sich-anla\u0308- cheln.\u00ab<\/p>\n<p>Da sprach die Neugier, das Sich-Einlassen. Wollen. Vertrauen.<\/p>\n<p>In den letzten Monaten, im Krankenhaus, wieder zu Hause, war ich oft da. Seine Offenheit, seine Verletzlichkeit und auch sein Schmerz und seine Unsicherheit waren sehr bewegend. Als wu\u0308rde sich die eigene Haltung kurz auflo\u0308sen. Wie ehrlich es doch ist, Angst zu haben. Und wie ko\u0308nnte man etwas anderes erwarten? Solange man sein eigenes Zuendegehen bewusst erlebt, gibt es fu\u0308r den Moment zuna\u0308chst keinen Trost.<\/p>\n<p>Diese letzten Monate begleitet und erlebt zu haben, konfrontiert einen auch mit sich selbst und der eigenen Haltung zur Endlichkeit. Vielleicht ist da auch Angst. Und dann kommt aber die Erkenntnis dazu, dass diese Angst, die sonst immer als Schutz gedient hat, nicht mehr schu\u0308t- zen kann.<\/p>\n<p>Und wenn man dann selbst nicht gehen will, muss man trotzdem, ohne anders zu ko\u0308nnen. Ru\u0308ckblickend liegt vielleicht dort der Trost, in dem, dass man zwar hadert, aber schlie\u00dflich wei\u00df: eine eigene Entscheidung ist das doch nicht wirklich.<\/p>\n<p>In jedem Fall sucht man als Au\u00dfenstehender dann nach Einsichten, versucht, zu verstehen, was da eigentlich wirklich passiert. Irgendwie muss man sich ja dazu verhalten. Wenn man sich auf dieses Gefu\u0308hl mal wirklich einla\u0308sst, dann ist das doch absolut schockierend.<\/p>\n<p>Dieses Verstehen-wollen fordert nach Wissen. Und dann merkt man: da ist keines und da kann auch keines sein.<\/p>\n<p>Was das Sterben betrifft, kann man dann also nur noch \u00bbglauben\u00ab \u2013 was auch immer. Als existentielle Notwendigkeit. Sich hingeben und vertrauen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 2\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Das ist so unbegreiflich, in unserer eigenen Existenz seiend dann das Gegenteil davon den- ken zu sollen. Die eigene Un-Existenz. Was soll das denn sein. Auch wenn \u2013 natu\u0308rlich \u2013 alle Erinnerungen, Einflu\u0308sse und Pra\u0308gungen in Jedem erhalten bleiben und fortleben.<\/p>\n<p>Aber eine Auflo\u0308sung der neugierigen Haltung zu dem, was da kommt, ist da dann doch nicht. Da ist kein Widerspruch zwischen der existentiellen Angst und dem \u00bbSich-trotzdem-Anla\u0308cheln mit dem Tod\u00ab. Oder, dieser Widerspruch ist so absolut und grundsa\u0308tzlich, dass es auf jeden Fall absurd ist, ihn auflo\u0308sen zu wollen. Den Widerspruch des Absurden, in dem die menschliche Existenz bis zu ihrem Abschluss zu Hause ist. Der die eigene Gestaltungsmacht irgendwo rela- tiviert, gleichzeitig aber zum Einzigen macht, was wir wirklich haben. Fu\u0308r sich selbst und fu\u0308r seine Umwelt.<\/p>\n<p>\u00bbDie Wirklichkeit des Geistes zeigt sich stets als eine Gestalt, die seine Mo\u0308glichkeit ver- sucht, aber die zerflie\u00dft, sowie er nach ihr greift\u00ab1.<\/p>\n<p>Schmerz und Vertrauen gehen dann Hand in Hand und haben aufgeho\u0308rt, einander zu wider- sprechen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAAJAAAAABCAYAAAAxfCdeAAAAAXNSR0IArs4c6QAAAHhlWElmTU0AKgAAAAgABAEaAAUAAAABAAAAPgEbAAUAAAABAAAARgEoAAMAAAABAAIAAIdpAAQAAAABAAAATgAAAAAAMoB0AACYXQAygHQAAJhdAAOgAQADAAAAAQABAACgAgAEAAAAAQAAAJCgAwAEAAAAAQAAAAEAAAAAPjLPDQAAAAlwSFlzAAANDQAADQ0BilqJpAAAABVJREFUKBVjZGBg2AHEo2A0BMgKAQCgaQC66UpyBAAAAABJRU5ErkJggg==\" alt=\"page2image301846592\" width=\"144.000000\" height=\"0.720000\" \/><\/p>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>1 So\u0308ren Kierkegaard: Der Begriff der Angst<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor acht Jahren habe mit meinem Opa fu\u0308r ein Filmprojekt ein langes Gespra\u0308ch gefu\u0308hrt. 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